Im Wirtschaftspraktikum für Lehrpersonen wechselten in den vergangenen Wochen fünf Lehrkräfte aus der Primarund Sekundarstufe den Arbeitsort
Normalerweise ist der Arbeitsort von Susanne Bouvard die Primarschule Hallau. Für das Projekt «Wirtschaftspraktikum für Lehrpersonen» tauschte sie während vier Wochen ihren Arbeitsort. Statt im warmen Schulzimmer stand sie bei Wind und Wetter auf Baustellen, statt mit Laptop und Kreide arbeitete sie mit Schere und Hacke. Neben Bouvard nahmen noch vier weitere Lehrpersonen im Frühling 2026 das Angebot des Programms «Lehrpersonen in die Wirtschaft» wahr und arbeiteten während
zwei bis vier Wochen in Schaffhauser Betrieben mit. Die Lehrpersonen lernten dabei den Alltag verschiedener Unternehmen kennen. Das Projekt «Wirtschaftspraktikum» wird durch das Erziehungsdepartement angeboten und von der Wirtschaftsförderung
organisiert, unter dem Patronat von IVS und KGV. In den letzten zehn Jahren sind so über 60 Praktika ermöglicht worden. Ziel des Wirtschaftspraktikums ist es, Lehrpersonen aus der Primar- und Sekundarstufe I einen Einblick in die Privatwirtschaft zu geben. Sie sollen die Erwartungen der Wirtschaft, beziehungsweise von Ausbildungsbetrieben, an ihre Mitarbeitenden und an ihre Auszubildenen selbst kennenlernen. Gleichzeitig sind sie Vermittler der Schule, und bringen deren Sicht in die Betriebe
mit ein. «Wir erhalten sehr viel Unterstützung von Seite der Wirtschaft und haben überhaupt keine Mühe Praktikumsplätze
für die Lehrpersonen zu finden», erklärt der Projektleiter der Wirtschaftsförderung, Robin Becker. Die grösste Herausforderung
sei es, eine Stellvertretung für die Lehrpersonen zu finden. Neben dem Arbeitseinsatz in den Betrieben besuchen die Lehrpersonen einen Einführungsanlass sowie einen Erfahrungsaustausch zum Abschluss. Die Rückmeldungen aus den Praktika seien immer sehr positiv, erklärt Becker weiter, von den Betrieben und den Lehrpersonen.
Vom Dach in den Garten
Der Alltag auf der Baustelle ist intensiv: Viel Handarbeit, schwere Geräte, lange Tage – und dazwischen heiterer Sonnenschein
oder Sturm mit Schneeregen. «Ich habe erwartet, dass die körperlichen Belastungen für mich zur Herausforderung wird – und so war es auch», erklärt Susanne Bouvard im Blick zurück auf ihre Praktikumszeit. Sie habe etwas Zeit gebraucht, um sich
daran zu gewöhnen. Bouvard war für je zwei Wochen bei der Firma Ruppli und Partner AG im Holzbau und bei der Gärtnerei
Schraff & Müller. Gleichzeitig freue sie sich, dass sie es geschafft und so viel neues gelernt habe: «Ich konnte viele verschiedene
Arbeiten kennenlernen. Vom Holzelementbau über das Pflastern von Wegen bis zum Jäten einer eines Naturschutzgebiets.
» Es war eine sehr gute Erfahrung. Der Berufswechsel tue sehr gut. Ihre Schülerinnen und Schüler werden nicht nur von ihr erfahren, was sie alles gelernt hat. Es habe auch gutgetan, wieder einmal auf der Seite des Lernenden zu sein. Zu Beginn kannte sie die Fachbegriffe der Gärtner oder Zimmerleute noch nicht. Musste nachfragen, vieles erklären lassen – um dann so selbständig wie möglich mitzuarbeiten. «Das hat mir gezeigt, wie wichtig Geduld beim Erklären ist. Und wie wichtig eine gute Erklärung für das Lernen ist.»
In die Backstube
Normalerweise steht Lara Frei in ihrem Schulzimmer in Neunkirch und unterrichtet eine 4. Klasse. Für das Projekt «Wirtschaftspraktikum für Lehrpersonen» tauschte sie während vier Wochen ihren Arbeitsort. Statt Schulbeginn um 7.30 Uhr stand sie bereits um 5.30 Uhr in der Backstube der Confiserie Reber in Schaffhausen. Lara Frei genoss während ihren vier Wochen im Praktikum den Einblick in eine völlig andere Arbeitswelt. «Ich habe in der Teigproduktion begonnen und konnte jede Woche in einen anderen Arbeitsbereich blicken. Vom Brot backen bis zum Osterhasen herstellen und Servieren im Café war alles dabei.» Besonders beeindruckt ist Frei von der Ausdauer und der Präzision, die das Team in ihrem Arbeitsalltag einbringt. «Schliesslich muss das 75. Gipfeli oder Praliné noch genau gleich aussehen wie das erste oder das 100. Gleichzeitig ist das Team mit einer unglaublichen Motivation für das gute Produkt im Einsatz». In die Schule nehme sie mit, wie wichtig Ausdauer und Handwerk seien. «Ich habe auch wieder selbst erlebt, wie wichtig das Vorzeigen und Nacharbeiten für das Erlernen ist. Das Praktikum hat sich für sie sehr gelohnt und sie kann den „Seitenwechsel“ nur empfehlen.


