Netzwerk Zirkuläres Bauen

June 19, 2026

Die Gebäude von heute sind die Rohstoffe von morgen. Nach diesem Leitgedanken will ein neues Netzwerk das Schaffhauser Bauwesen weiterentwickeln.

Ein Schaffhauser Netzwerk sucht einen Weg, wie Kreislaufwirtschaft im Bau funktionieren kann – nicht nur auf Papier, sondern auch in der Umsetzung. Zu Beginn des Projekts stand bei Umweltingenieur Simon Furter die Frage: Warum gibt es im Bau so viel Abfall Rund 84 Prozent aller Abfälle in der Schweiz fallen im Bausektor an. Es fehlt bis heute ein regionaler Ansatz, um brauchbares Material konsequent weiterzuverwenden. «Es schmerzt das Handwerker-Herz, wenn wir gute Fenster, Sanitäranlagen oder Backsteine bei einem Umbau oder Abbruch wegwerfen müssen», bestätigt auch Thomas Meister. Der Holzbau Experte leitet zusammen mit Simon Furter das Projekt «Netzwerk Zirkuläres Bauen». 2024 wurde aus der Vision von Furter ein Projekt mit dem Ziel, das zirkuläre Bauen in der Schaffhauser Bauwirtschaft zu verankern. Durch ein praxisorientiertes Netzwerk, das Wissen teilt, Materialien wieder in den Kreislauf bringt und zeigt, dass Re-Use nicht Theorie ist, sondern funktioniert.


Das Projekt ist in zwei Phasen aufgeteilt: Zuerst wurde ein Prototyp gebaut, und im Anschluss wird das Netzwerk etabliert. Das Projekt startete unter der Trägerschaft des SIA Schaffhausen in Phase eins. Die zweite Phase, welche nun läuft, wird durch den Werkraum Schaffhausen getragen. Mit dabei sind verschiedene Verbände und Firmen aus der Schaffhauser Bauwirtschaft. Bei der Projektinitialisierung wurden die Projektträger von der Geschäftsstelle für Regional- und Standortentwicklung RSE beraten und bei der Sicherung von Fördergeldern aus der Neuen Regionalpolitik des Bundes (NRP) und des kantonalen Klimafonds unterstützt.


Prototyp als erste Challenge

Der erste Schritt war der Bau eines Prototyps, der wichtige Erkenntnisse für die Nutzung von gebrauchten Bauteilen und -stoffen liefern sollte. Zuerst wurden die Dimensionen geplant und dann die Suche nach Materialien gestartet, erklärt Thomas Meister. Verwendet wurden z.B. Türen und Fenster, die jahrelang unbenutzt im Lager eines Betriebs lagen, sowie Material, das für

einen Umbau ausgebaut werden musste. Die grösste Herausforderung war die Materialbewirtschaftung und die Frage, was

auf welchem Lagerplatz verfügbar ist. Das zeigt die Kernprobleme des zirkulären Bauens: Es braucht viel Lagerkapazität, eine

komplexe Logistik und hohe Flexibilität bei der Planung. Gleichzeitig erforderte der Bau eine rollende Planung, die immer wieder an die zur Verfügung stehenden Materialien angepasst wurde. Anfang 2026 konnte der Prototyp fertiggestellt werden. An

der Frühlingsshow war das mobile Minihaus, das zu 70–80 Prozent aus Re-Use besteht, erstmals in der Öffentlichkeit präsent und wird dieses Jahr weiter im Kanton unterwegs sein.


Netzwerk weiter ausbauen

Nach dem erfolgreichen Bau des Prototyps startet Phase zwei des Projekts. In diesem Schritt möchte das Leitungsteam regionale Firmen und Verbände entlang der Bau-Wertschöpfungskette zusammenbringen und Erfahrungen austauschen. Das Spektrum reicht von Planern und Baumeistern über Holzbau, Energiefachleute bis hin zu Gartenbau oder Umweltschutz. Neben einer digitalen Plattform sollen analoge Treffpunkte entstehen. Furter und Meister sind überzeugt, dass man Menschen im Baugewerbe nicht nur online abholt. Es braucht Begegnungen, Überzeugungsarbeit und physische Lagerflächen.


Die Lager der Betriebe mit brauchbarem Altmaterial existieren bereits, nun gilt es, sie effizient zu vernetzen. Einhundert Prozent Wiederverwendung ist dabei nicht das Ziel, erklärt Furter, aber jedes Bauteil ist ein Anfang. Jedes Fenster, das nicht auf der Deponie landet, ist ein wichtiger Schritt hin zu einer Bauwirtschaft, die Rückbau nicht mehr als Ende denkt, sondern als wertvollen Anfang.


www.zirkulaeresbauen.ch

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