Das Faktum: Produktivität istein unterschätzter Standortfaktor. Sie entsteht aus Innovation, qualifizierten Arbeitskräften und starken Rahmenbedingungen.
Lange punktete die Schweiz als Unternehmensstandort mit einem attraktiven Steuerumfeld. Das Steuerniveau führte zu einem Kostenvorteil und rechtfertigte auch die hohen Betriebskosten. Dieser Standortfaktor verliert durch die internationale Steuerpolitik an Zugkraft. Was bisher ein Argument für gewinnund substanzstarke Ansiedlungen im Kanton war, zieht in Zukunft nicht mehr. Damit rückt die Produktivität ins Zentrum – als Spiegelbild der Qualität von Arbeitskräften, Infrastruktur (von Energiesicherheit über Verkehrsverbindung bis zum Glasfasernetz) und dem regulatorischen Umfeld. Die Schweizer Wirtschaft gehört zu den Produktivsten der Welt. Das muss sie auch, um trotz Schweizer Kostenstrukturen wettbewerbsfähige Margen und langfristige Gewinnpotenziale zu sichern. Doch diese Spitzenposition ist nicht garantiert.
Produktivität als wichtiger Wettbewerbsfaktor
Um im Schweizer Hochpreisumfeld zu bestehen, setzen Unternehmen massiv auf Innovationskraft: durch Automatisierung, Künstliche Intelligenz und dem Potenzial ihrer gut ausgebildeten Mitarbeitenden. Ziel ist mit gleichem oder geringerem Ressourceneinsatz mehr zu leisten und die Wettbewerbsfähigkeit hochzuhalten. Überdurchschnittlich hoch ist im Kanton mit 13’000 Beschäftigten der Anteil der Industriearbeitsplätze. Auch wenn wir die hohen Steuereinnahmen vor allem den vielen angesiedelten Unternehmen verdanken, so ist die produzierende Industrie das Rückgrat. Gerade in der Industrie hängen Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und Arbeitsplätze stark von der Produktivität ab. Folglich stärkt man Unternehmen und den Standort, wenn die staatlichen Rahmenbedingungen Produktionssteigerungen begünstigen.
Schaffhausen hat seine Standortpolitik auf einen innovationsorientierten Ansatz ausgerichtet, der gezielt technologie- und produktionsnahe Unternehmen stärken will. Die starken lokalen Branchencluster Kunststoff, Pharma & Chemie, Maschinenbau und Nahrungsmittel im Fokus. Ergänzt durch zukunftsweisende Querschnittsthemen wie Automatisierung, Robotik, Künstliche Intelligenz (KI) und Zirkularität.
Technologischer Fortschritt und produktivitätssteigernde Innovationen entstehen durch direkten Kontakt und in vernetzten Ökosystemen. Kurze Wege, direkte Ansprechpartner und ein persönlicher Draht ermöglichen es, Unternehmensbedürfnisse früh zu erkennen und bei Bedarf rasch mit den Behörden abzustimmen. Genau hier setzt die Wirtschaftsförderung an: Mit rund 200 Unternehmensgesprächen pro Jahr pflegt sie den kontinuierlichen Austausch mit ansässigen Betrieben. Diese enge Begleitung wirkt als Beschleuniger für Ausbauten und Erweiterungsvorhaben und trägt zur Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen bei.
Technologietransfer und Innovationsförderung
Parallel dazu stärkt der Kanton den Wissens- und Technologietransfer als zentralen Hebel für Produktivitätssteigerungen.
Schaffhausen setzt auf Innovationsökosysteme mit direktem Zugang zu Spitzenforschung. Ein Schritt dahin ist der Aufbau
eines Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeitsrobotik in Zusammenarbeit mit der Empa: Regionale Firmen erhalten hier
Zugang zu High-Tech-Entwicklungen, gleichzeitig wird das Zentrum auch neue internationale Unternehmen anziehen.
Ergänzend wirken die Coaching-Instrumente des ITS und im INOS-Verbund mit den Ostschweizer Kantonen, die sich explizit an KMU richten.
Produktivitätssteigerungen werden im Verbund erreicht: Unternehmen, die gleichermassen in Menschen und Technologie investieren, und staatlichen Akteuren, die ermöglichen und unterstützen. Die Wirtschaftsförderung agiert an der Schnittstelle dazwischen, als Anlaufstelle, Impulsgeberin und Koordinationsorgan. Mit diesem Schulterschluss punktet der
Standort auch wenn Steuervorteile schwinden.
Mein Fazit: Moderne, innovationsorientierte Standortpolitik heisst, dass Unternehmen und öffentliche Hand gemeinsam in Fachkräfte, neue Technologien und gute Rahmenbedingungen investieren – das führt zu Produktivitätssteigerungen und hält Schaffhausen wettbewerbsfähig.
Welt der Wirtschaft - Christoph Schärrer, Delegierter für Wirtschaftsförderung Schaffhausen



